Is Google really evil or just consequent?



Ein offener Brief zu : „Einer gegen Alle“ in brandeins - Ausgabe Januar 2010!

Diese Woche habe ich in meinem Lieblingsmagazin „brandeins“ einen Artikel gelesen, der mich doch sehr zum Nachdenken gebracht hat.

Vorweg sei soviel gesagt. Ich kaufe und lese dieses Magazin, bereits seit Jahren, jeden Monat und bin ein wirklicher Fan, weil in „brandeins“ die Welt in der wir leben, oft die aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet wird  - einer offenen und vielschichtigen. Doch dieses mal, hat mich ein Artikel doch recht betroffen gemacht, weil dieser, wenn auch scheinbar gut recherchiert leider nur eine Aggregation von Einzelaussagen und Fakten darstellt, die - so man ein paar mehr Hintergründe kennt - schnell zu einem Horrorszenario gemacht werden können. Ein anderer Punkt in diesem Artikel, der mich deutlich irritiert ist, dass dieser sich selbst widerspricht. 

Die harmlose Überschrift dieses Artikels war
„Einer gegen alle“ und handelte von Google. 
Ob damit der Artikel selbst oder das Unternehmen Google gemeint war, lässt sich meines Erachtens, nach dem Lesen des Artikels gar nicht mehr so leicht beurteilen. 


Die Kerninhalte des Artikels lassen sich grob so zusammenfassen: 

Teil 1: Legosteine und die Pubertät

1.Google ist nicht nur 11 Jahre alt, sondern benimmt sich auch wie ein Teenager und macht was es will, ohne Rücksicht auf Verluste!

Teil 2: Fair Use

1.Das Geschäftsmodell ist: Informationen und Inhalte anderer aufzubereiten, jedermann zugänglich zu machen und daneben Werbung zu schalten

2.Dieses Geschäftsmodell ist gut, solange es nicht urheberrechtlich geschützte Inhalte betrifft.
 
3.Google setzte sich aber über bestehendes ( Deutsches) Recht hinweg und tut dies mit dem Kalkül verklagt zu werden. Hierbei wird dies am Beispiel von GoogleBooks erklärt.

4.Google News wird als Bedrohung ( durch Vertreter der Medienlandschaft) gesehen, weil  hier Headlines aggregiert werden und Menschen nur noch Headlines lesen.

5.Google erpresse die Gema mit der Sperrung von Musikvideos auf YouTube, weil Sie damit die Industrie zwingen, den Streit unter sich auszumachen und die Urheber nun gegen die Gema vorgehen wollen.






Teil 3:Ist es das wert?

1.Google ist den ganze Ärger vielleicht gar nicht wert, weil es ausser dem Suchmaschinengeschäft ohnehin noch keinen großen Treffer gelandet hat.

2.Google ist gar nicht so kreativ, weil die wirklich spannenden Geschäftskomponenten eh nur dazu gekauft sind.

3.Die Suchergebnisse werden schlechter, weil Google kaum hinterher kommt, seinen Algorithmus zu optimieren und so landet man oft auf Spampages.

Teil 4:Rivalen

1.Google ist das Microsoft des Internets.
2. Microsoft bekämpft Google über Lobbyarbeit bei Verlagen, in der Politik und bei den Usern!
3.Apple mag Google auch nicht mehr, weil diese zum einen Android als Wettbewerb zum iphone Betriebssystem haben und zum anderen, weil Google auch ein mobiles Gratis-Telefonie/SMS Tool entwickelt.

Teil 5: Big Brother

1.Google ist eine Datenkrake und eine Bedrohung für den Datenschutz!

2.Google veröffentlicht nur wenig von sich selbst.

3.SAS warnt vor der Bedrohung durch Website Tracking und vergleicht dies mit Schlafwandeln im Minenfeld

4.Sir Tim Berners-Lee vergleicht Behavioral Targeting mit Kameraüberwachung 

5.Gerald Reischl meint, die größte Gefahr sei Google Analytics weil 80% aller deutschen Unternehmen dieses verwenden würden und Google somit jeden User dieser Unternehmen kennen würde und das alles auswerten kann.

6.Niemand kann Google stoppen, weil alle Daten in den USA liegen.

7.Google Desktopsearch kopiert Daten vom PC des Users auf die eigenen Server und will bald sogar eine „Online-Festplatte“ anbieten. Apple und Microsoft machen das aber auch.

8.Mit steigender Internet-Kriminalität wird Google zunehmend zum Sicherheitsrisiko.

Teil 6: Der Monopolist

1.Wäre Google eine Old-Economy-Firma, dann würden die Kartellbehörden längst Amok laufen, Kooperationen mit z.B. Yahoo wurden deshalb 2008 gestoppt.

2. Das US Justizministerium hat Google bereits auf dem Schirm und in Ländern wie China und Indien musste Google schon wegen „ungewünschter Inhalte“ Zensur einführen.





Teil 7: Don‘t be evil

1. Google reagiert trotzig, denn böse ist nur, was Google als Böse ansieht!

2. Google sieht auf Grund seiner technischen Ursprünge, jedes Problem und jede Aufgabe als logisches oder sogar mathematisches Problem an, Imagewerte fallen dabei unter den Teppich

3. Google ist abhängig vom Wohlwollen der User

4. Design ist ein klarer Wettbewerbsvorteil von Google gegenüber dem Wettbewerb.

Puuuuuhhhh, das sind eine Menge Themen auf einmal und ich möchte mich diesen am liebsten einzeln in voller Gänze widmen, manchen davon zustimmend, vielen aber doch schon fast schleudertrauma verursachend kopfschüttelnd. Da ich an dieser Stelle aber weder das Buch von Gerald Reichl - „Die Google Falle“- noch das Buch von Jeff Jarvis „ Was würde Google tun?“ neu erfinden möchte, werde ich mich versuchen kurz zu halten. 

Somit hier meine Kommentare zu diesem Artikel:

Zu Teil 1: Google = Pubertär und zu Teil 2: Fair Use!

Ich denke, jeder der schon eine gewisse Zeit in der Onlinebranche arbeitet, kann nachempfinden wie der berühmte Kampf des Don Quichote gegen Windmühlen sich angefühlt haben mag. Die Frustration, welche dem durchschnittlichen „Onliner“ nach einigen Jahren ins Gesicht geschrieben steht spricht hierbei Bände. Besonders im eCommerce Umfeld sitzt der Schmerz oft tief. Während man zusehen musste, wie Amazon und Ebay mit Mach-Geschwindigkeit neue Wertschöpfungsketten aufbauten, hatte man in den letzten Jahren innerhalb der etablierten „Brick&Mortar-Businesses“ wie eine tibetanische Gebetsmühle immer wieder für das Internet argumentieren und einen wahren Glaubenskrieg ausfechten müssen. 

Bei manchen Unternehmen hat zwar mittlerweile eine Besinnung eingesetzt aber selbst im Jahr 2009 ist das Thema „Internet“ immer noch ein eher religiöses und weniger eines der Fakten. Dass die Betrachtung unter den „Onlinern“ für das Vorgehen von Google eher Bewunderung und Neid ist, erklärt sich dabei von selbst - Google macht einfach und fragt nicht lange! Vor Allem ist Google auch in der luxuriösen Situation sich nicht für die niedrigen Umsätze rechtfertigen zu müssen, die es dank zu geringer Investitionen erwirtschaftet, sondern eher Gegenteilig.

Ja, Google baut neue Wertschöpfungsmöglichkeiten auf und lässt den User entscheiden, ob die Idee gut ist oder nicht. Die Politik, die Glaubenskriege und das Bauchgefühl bleiben dabei auf der Strecke - die Zahlen beweisen, was wirklich los ist und die Zahlen werden durch den User verursacht. Dieses Verhalten ist nicht Pubertär, sondern eher rational und konsequent. Die Macht, dies zu tun liegt schlicht darin, dass Google‘s Kriegskasse prall gefüllt ist und man es sich leisten kann, eine gewisse Anzahl an Klagen zu riskieren. Auch dies ist nicht pubertär, sondern Kalkül. Denn das einzige was Google wirklich zu befürchten hat ist, dass Google selbst nicht mehr Teil unser aller Life-Management ist, dass wir nicht mehr an Google glauben und es nicht mehr benutzen. Denn dann löst sich das Geschäftsmodell von Google sofort in Wohlgefallen auf.

 Nichts von dem Verhalten von Google ist pubertär - es ist einfach nur konsequent, denn Google will neue Märkte erobern, alle Informationen dieser Welt aggregieren und transparent machen und dies ist sogar in den Leitsätzen von Google  (
http://www.google.de/intl/de/corporate/tenthings.html). 

Wer sich übrigens mal ein wenig intensiver mit dem Nash-Equilibrium auseinander setzt wird wahrscheinlich auch schnell die mathematische Motivation dahinter verstehen. 

Ein anderer Punkt, von dem man sich wahrscheinlich einfach mal verabschieden muss ist, dass „Internet-Unternehmen“ von einem Haufen pubertierender "Dauer-Pizza-Vertilger“ geführt werden. Die Geschäftsprozesse in unserer Welt haben sich zunehmend digitalisiert und aus den einstigen Studenten mit viel Träumen und Programmierfähigkeiten haben sich heute gestandene Geschäftsleute entwickelt. Unternehmen wie
www.sugarcrm.com“ oder www.salesforce.com fangen an den Riesen der Branche und einstigen Revoluzzern wie SAP und Siebel das Wasser abzugraben. Geschwindigkeit in der Entwicklung, Kosteneffizienz, Skalierbarkeit und Flexibiltität sowie Systemstabilität bilden hierbei die Eckpfeiler neuer Geschäftsmodelle. Also liebe Vorstände der „Old-IT-Economy“ wundert euch nicht, dass ein Unternehmen wie Google auf einmal mit den gleichen Bandagen kämpft, wie dies vor 20 Jahren durch die damaligen Revolutionäre der IT Welt geschehen ist. Jede Ära war irgendwann einmal zu Ende und so kommt eine neue Generation mit neuer Technologie und erobert die Herzen und Gedanken mit genau dem, was Ihnen Jahrelang gepredigt wurde - Dem Nutzen für einen selbst!

Für die Vertreter der Medienindustrie lässt sich auch soviel sagen: 

Eine Zeitschrift ist auch nichts anderes als die Handelsplattform für Fremdinformation. Der Verkaufswert einer solchen richtet sich zwar nach der Mischkalkulation aus Anzeigeneinnahmen und den nötigen Verkaufserlösen, doch wenn der Preis zu hoch ist und die Qualität des Inhalts zu schlecht, dann kauft auch die „ Bild“ niemand mehr. So gesehen, kann ich Rupert Mordoch gut verstehen, dass er die Inhalte seiner Titel auch im Internet gerne verkaufen möchte - doch wer möchte für Inhalte die er über jeden Teletext Newsticker oder aus dem Fernsehen besser erhalten kann Geld bezahlen?

Ein anderer Punkt ist mir ebenfalls beim Durchlesen der „BrandEins“ aufgefallen. Dort wird die Bilanz des AxelSpringer Verlags auseinander genommen. Wenn das, was in diesem Artikel geschrieben ist stimmt, dann hat der ASV seine Gewinne vornehmlich aus dem Verkauf von Anteilen finanziert und nicht aus dem Verkauf von Anzeigen oder Zeitungen.
Ref: Artikel: Woher kommt das Geld!

Eine Erfahrung der letzten Jahre hat eines klar gezeigt - Internetuser haben kein Problem damit Geld für Qualität zu bezahlen und dies tun sie am liebsten beim Erzeuger direkt. 

Vielleicht hätte man einfach nicht so viele Redakteure rausschmeissen sollen ?

Ein anderer Punkt ist - die Print-Industrie kann sich nicht beschweren das die Menschen nur noch Headlines lesen und damit Google verteufeln, wenn Sie auf der anderen Seite ihre Artikel verkaufen wollen - wie soll dies denn ohne Headline geschehen?

Ausserdem frage ich mich auch, ob demnächst Kioske keine Zeitungen mehr verkaufen dürfen, immerhin kann dort auch jeder schnell die Headlines überfliegen?

Glauben die Verlage wirklich noch an die eigene Relevanz und daran, dass sich zweitklassige Artikel verkaufen lassen? 

Warum ist wohl „brandeins“ ein Verkaufsschlager? Relevanz und Qualität spielen hier sicherlich eine große Rolle! 

Ein spannendes Thema ist GoogleBooks - stellen Sie sich mal vor, Google wäre zuerst zu den Verlagshäusern gegangen und hätte nachgefragt, ob man das machen dürfte - einfach so ein paar Mio Bücher einscannen! Die Antwort wäre die gleiche gewesen, wie sie damals bei den Gründern von SAP, Microsoft, Apple und co war - „Seid Ihr verrückt ????“

Google hat schlichtweg ein neues Businessmodell für Autoren aufgebaut und sich für den Sturm gerüstet. Oder glauben Sie ernsthaft, dass Google nicht damit gerechnet hat, dass sie verklagt werden ? Ich behaupte, Google wollte verklagt werden, denn der Vergleich der in diesem Falle zustande kommen wird ist trotz allem die effizienteste Vertragsverhandlung, weil es genügend Verhandlungsdruck gibt!

Google und die GEMA - also hier möchte ich mich ehrlich gesagt nicht einmischen, ob es nun 12ct oder 1 ct ist - so wie es aussieht steht hier Aussage gegen Aussage und was wirklich diskutiert wurde, erfahren die, die es etwas angeht. Sicher ist, die GEMA hat allen Grund es schlecht zu finden, wenn Musik über das Internet verteilt wird - aber was macht die GEMA denn mit NineInchNails oder anderen Künstlern die das selber schon tun? Müssen die dann auch 1-12ct zahlen?
Ref: Artikel: Brand 1: Das Multitalent

Zu Teil 3: Ist es das Wert?

Hier schlägt mit Sicherheit die gleiche Arroganz und Arglosigkeit durch, mit der seinerzeit Ebay und Amazon belächelt wurden. 

Als Amazon angefangen hat, nicht nur Bücher, sondern auch Gartenmöbel und andere Artikel zu verkaufen, wurden sie belächelt. „Das kann doch nicht profitabel sein!“ haben viele gesagt. War es auch damals nicht und musste es auch nicht, denn das Kerngeschäft war stark und der Plan sehr sehr langfristig. Amazon hatte die gleiche Strategie wie einst Microsoft, sie wollten Relevanz für den Konsumenten, sie wussten, dass es nur eine Chance gibt die Weltweit größte B2C Plattform zu werden und dafür muss man nunmal lange Zeit den Acker bestellen, pflügen, sähen und irgendwann kommt die Ernte. Amazon hat sich in das Consumer-Life-Managment der Konsumenten gebohrt, genauso wie Facebook oder Xing dies in anderen Umfeldern getan haben. Genau da lag das Ziel. 
Microsoft hat über Jahre hinweg das Raubkopieren seiner Software geduldet bzw. kaum strafrechtlich verfolgt. Nicht, dass Microsoft nicht gewusst hätte wer kopierte Software benutzt, vielmehr war es Kalkül, denn wenn erstmal 2 MRD Menschen sich an ein Betriebssystem und die Office Suite gewöhnt haben, eine eigene Industrie rund um diese entstanden ist, die wiederum zusätzliche Software entworfen hat, dann lässt sich das nicht mehr so schnell abstellen und schließlich hat Microsoft den Bezahlhebel konsequent umgelegt und sich somit zur CashMaschine entwickelt. 

 



Das in dem „brandeins“ Artikel grade die Produkte als „Flops“ bewertet wurden, die wirklich nicht so spannend sind, zeigt aber auch auf, dass das wirkliche systemische Denken von Google nicht verstanden wurde. Die wahre Macht zeigt sich erst, wenn man die einzelnen Google-Komponenten miteinander verbindet und sich die Trends im Nutzerbereich ansieht. 

In den USA gehören knapp 18% der WebUser zu den sog. „Kreatoren“ also Menschen die Inhalte in Form von Blogs oder Websites produzieren. In Europa sind dies ca. 10% in Japan 38%. Je einfacher die Technologie dafür, desto mehr Menschen werden es und je „freier“ sich eine Bevölkerung in der Meinungsäußerung fühlt, desto eher wird dies über das Web geschehen. Google schafft hierfür Infrastruktur. 

Angefangen mit
https://www.blogger.com, wo sich jedes Schulkind in 5 Minuten einen Blog einrichten kann, über Google Sites (sites.google.com) - dem Content-Management-System für jedermann, bis hin zu google base, GoogleAnalytics, Google Adwords usw. wird jedem Menschen der Betrieb des eigenen digitalen Marketing-Betriebs-Systems ermöglicht. Technische Fähigkeiten treten dabei in den Hintergrund, vielmehr zählen Inhalte und die Vernetzung der  Tools. Je mehr ein User ausprobiert, desto mehr gewöhnt er sich daran und Google verdient im Microbereich an der Wertschöpfung. Das wirkt erstmal sehr kleinteilig, ist aber bei 100 Mio Usern die Ihren eigenen privaten Flohmarkt eröffnen, Strickwaren, Autoreifen oder sonstige Nischenprodukte verkaufen, alles in allem ein nicht zu unterschätzendes Potential. 

Kurzum, ja man sollte Google durchaus ernst nehmen, denn die Strategien gleichen sich und das Ziel der Marktdominanz ist deutlich zu erkennen, aber sollte man sich darüber wundern ?
Eindeutig Nein! 

Der Punkt liegt hier im Unternehmergeist - im gleichen Magazin übrigens in folgenden Artikeln sehr gut beschrieben: 

1. Das Multitalent
2. Flohmarkt für Faule

Unternehmer werden immer versuchen Ihren Weg konsequent zu gehen, machen dabei Fehler, lernen draus und werden besser - so auch Google!


Zu Teil 4: Rivalen

Schon Napoleon sagte: „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder!“ Zum Glück ist die Situation in diesem Falle bei weitem nicht so dramatisch, aber trotzdem passend. Denn dass Microsoft auf den beschriebenen Wegen gegen Google vorgeht, zeigt nur eines auf, nämlich, dass sich dieses Unternehmen aus Redmont niemals für seine Kunden interessiert hat, sondern nur für eines - Macht! Haben Sie sich schon mal gefragt, welche Daten Microsoft über Sie sammelt, was bei einem „Bugeport“ wirklich an Microsoft geschickt wird und was MSN mit den Inhalten Ihrer eMails anstellt? Haben Sie die Microsoft EULA wirklich schon ein mal gelesen?

Wenn Sie sich diese Frage stellen und danach mal ein bisschen suchen ( evtl. mal nicht auf Google) dann werden Sie sehen, das schon ganz andere Menschen viel früher zu Microsoft die gleichen Bedenken hatten. 

Sind die Suchergebnisse schlecht? Hierzu möchte ich folgende Überlegungen anbringen: 

1.Ob die Ergebnisse schlecht sind, beurteilen die User und das ist die härteste Beurteilung, die man sich vorstellen kann. 

2.Manipulation ist wohl eines der ältesten Probleme die sich jedem Geschäfts stellen. Selbst die Bundesliga ist dafür nicht sicher und dass Google hier als Plattformbetreiber genauso hart agieren wird, wie der DFB liegt auf der Hand, denn wenn die Seriosität der Plattform nicht mehr gewährleistet ist, verliert diese an Wert. Sogesehen, wird Google immer alles tun, um einem möglichen Betrug auf der Spur zu sein. Dafür braucht es allerdings Technologie auf dem neuesten Stand, besonders im Bereich des Trackings und der Analyse. Ist dies nicht vorhanden, wäre es so, als ob man im klassischen Handel die Überwachungskameras abstellt. Dazu aber an anderer Stelle mehr. 

3.Apple braucht sich auf einen Clinch mit Google gar nicht einzulassen, denn Apple‘s Geschäftsmodel basiert auf ganz anderen Werten als das von Google. Apple ist eine Design und Quality Firma. Eine Firma die Plattformen für offene Systementwicklungen wie z.B. die iPhone Apps schafft. 


Zu Teil 5: Big Brother

Auch hier merkt man deutlich, mit welcher Naivität viele Menschen auch heute noch durchs Leben laufen. Warum sollte eine Internetfirma weniger versiert Daten über deren Kunden ( User) einsammeln als dies jeder andere ( zum Beispiel der Handel) tut?

Jeder, der Autofährt, mit dem Handy telefoniert, eine Kredit oder Maestro Karte benutzt ist transparent. Wo immer wie uns bewegen, werden wir gefilmt, registriert, katalogisiert, in Cluster eingeteilt und landen in irgendwelchen Datenbanken. Unternehmen wie Payback lassen ihr gesamtes Geschäftsmodell darauf basieren. Verlage verkaufen die Daten ihrer Abonnenten meistbietend an jeden der die Daten haben möchte selbst der Bundestrojaner  (
http://www.tagesschau.de/inland/meldung490134.html) schockiert eigentlich niemanden. 

Dass die Daten dabei in die USA transferiert werden, sollte doch spätestens seit
http://de.wikipedia.org/wiki/Echelon auch niemanden mehr umhauen. Übrigens hat Siemens wegen „Echelon“ die Datenverschlüsselung von eMails eingeführt. 

Natürlich geht damit niemand wirklich hausieren und hängt auf seiner Website ein großes Schild auf: „Achtung - Hier werden Sie überprüft“  - An dieser Stelle zeigt sich allerdings sehr deutlich, dass der Artikel doch eher schlampig recherchiert ist. Die Gründe hierfür sind: 

1.Ja, Google hat sogar in seinen Statuten beschrieben, dass es immer noch mehr Informationen gibt und es diese zu veröffentlichen gilt. Aber, jetzt mal ernsthaft - bei der ersten Datenpanne mit persönlichen Nutzerdaten, wäre dies das sofortige „AUS“ für Google, weil 80% der Internetuser adhok ihr Vertrauen verlieren würden. 

2.Google veröffentlicht auch nicht weniger Informationen als viele andere Unternehmen, die aktiv mit Kunden/User Daten herumspielen. 




3.Das gerade SAS, als führender Hersteller von Business Intelligence Software hier als Referenz genannt wird, um vor Website Tracking zu warnen - kann nur ein Scherz sein. Grade dieses Unternehmen verdient sein Geld damit Software zu entwickeln, mit der es möglich ist, riesige Mengen an Kundendaten zu Analysieren und Webanalyse ist diesem  Unternehmen mit Sicherheit nicht fremd.
http://www.sas.com/solutions/webanalytics/index.html - Hier lässt sich doch viel mehr vermuten, dass jemand in GoogleAnalytics einen Wettbewerb sieht, weil eben Google einen Dienst kostenlos anbietet der bei SAS garantiert nicht kostenlos ist. 


4.Wenn Herr Reischl recht hätte und wirklich 80%!!!!! aller deutschen Unternehmen GoogleAnalytics benutzen würden, dann wäre: 

a. Deutschland schon lange nicht mehr ein solches Web-Entwicklungsland, weil es genug Fakten gäbe die für eine deutliche Verbesserung der vielen vielen schlechten Websites sprechen würden. 

b. Die Aufmerksamkeit für die Geschehnisse auf der eigenen Website schon lange Vorstandssache und nicht nur ein Hobby der „New-Media“ Abteilung, in das im Durchschnitt 2 Stunden Arbeit im Monat fliessen, anstatt eine Vollzeitstelle. 

c. Wenn, ja wenn, dem wirklich so wäre .. Dann gäbe es viel viel mehr Installationen von tiefgreifenden kommerziellen Tracking und Analysetools die weitaus mehr leisten als GoogleAnalytics und deren Datawarehouses übrigens auch in den USA liegen. Denn, dann würden grade die eCommerce treibenden Unternehmen in Deutschland noch viel mehr wissen wollen, was auf ihren Seiten geschieht, sie würden Tools nutzen wie Test&Target von Omniture (
www.omniture.de) und damit ihre Prozesse perfektionieren und zwar nicht nur im eigenen Sinne, sondern im Sinne des Nutzers. 

5.Ja, Internetkriminalität ist ein Riesenthema aber der Angriffspunkt sitzt fast immer vor dem Monitor des Privatanwenders. Hier gilt das gleiche wie beim Autofahren, wer sich nicht Anschnallt riskiert viel. 

6.Behavioral Targeting - also Verhaltensbasiertes Aussteuern von Inhalten, hat weniger etwas mit Kameraüberwachung zu tun, als vielmehr damit diese so zu nutzen, dass der Konsument Produkte angeboten bekommt, die er auch braucht. Auch hier, kratzt der Artikel einen sehr sehr großen Themenbereich an, bei dem zwischen Mystik und echter Wahrheit sehr viel Raum vorhanden ist. Was mit Sicherheit stimmt ist, dass Amazon versucht, auf Basis der Kauf und Clickdaten von Usern, zielgerichtete Angebote zu unterbreiten und Google das gleiche mit der Werbung in Googlemail tut. Das tun auch andere Provider. Aber die Zuordnung von werblichen Inhalten erfolgt auf Basis von vollautomatisierten Regeln und nicht dadurch dass viele kleine grüne Männchen bei Google sitzen und die Werbung per Hand aussteuern. Hier wird mit einem Halbwissen ein Fass aufgemacht, für dass man mehr als nur eine „brandeins“ braucht als dies mal eben so zu erklären. Denn hier muss erstmal unterschieden werden zwischen "On-Site" "Off-Site" "Cross-Sites" etc.  Wenn dann auch noch die Desktopsearch rausgekramt wird, wird es echt spannend. 




7. Datenmengen: 

Also, Youtube musste tatsächlich ganze 20 TB Daten rausrücken ??? Mit allem Respekt, 20 Terrabyte sind ein ziemlicher Witz - Mein Tip, machen Sie doch mal einen Betriebsausflug zu T-Online, Strato oder vielleicht einfach nur zu Level3 nach Hamburg und schauen mal in ein Rechenzentrum. Wenn Sie die Datenmengen, die bei Google so liegen dürften aufgreifen wollen, dann können Sie entspannt ein paar Nullen an die 20 TB dranhängen! 
Eifrige Datenschützer werden jetzt sagen - "Siehste!! - Ich sachs doch" Aber auch diesen sei bitte soviel gesagt, selbst die High-End Datamining Tools von SPSS oder SAS brauchen schon für 20 TB Datenbanken deutlich länger als eine Zigarettenpause und das bei einfacheren Datenkonstrukten - im Klartext wenn Google wirklich alle Daten miteinander verdrahten könnte - müssten sie noch ein Tool bauen, um diese auszuwerten und eine Armee von Analysten beschäftigen. Das ist angesichts dessen, dass diese Daten nicht verkaufbar sind, eher unvorstellbar. Und selbst wenn, Google es tun wollen würde - die Hardware müsste diese Performance hergeben und das ist in diesem Fall nicht möglich.

Vielversprechend was das Anbelangt sind allerdings die neuesten Gerüchte aus Redmond. Angeblich werden dabei ähnlich wie bei
http://setigermany.de/ die Rechenkapazitäten aller Clients genutzt, um große Datenmengen zu verarbeiten. Damit wird eigentlich jeder Rechner zum Server.

Fazit: Ich würde mir wünschen, WebsiteTracking und Analyse hätte einen größeren Stellenwert in deutschen Unternehmen, ob über GoogleAnalytics oder professionelle Tools spielt dabei keine Rolle - nicht weil ich mein Geld damit verdiene, sondern weil es dann endlich weniger schlechte Websites gäbe, bessere Angebote für uns alle als Konsumenten und vor allem weniger sinnlose Bauchgefühl-Diskussionen in Unternehmen über den Sinn von „Internet“ sondern viel mehr sinnvolle Gespräche darüber, wie man mit den eigenen Kunden mehr erreichen kann.  



Zu Teil 6 und Teil 7: Der Monopolist der nichts böses will!

Zunächst einmal würde ich an dieser Stelle eher Platitüden und vielleicht zu wenig volkswirtschaftliche Vorbildung unterstellen. 
Google ist kein Monopolist (
http://de.wikipedia.org/wiki/Monopolist), denn es gibt viele und zum Teil auch mächtige Wettbewerber. Was Google groß macht, ist die Gunst der User und der Businesskunden. Würde das System nicht funktionieren würde es keiner kaufen. 

Ein anderer Punkt ist - Was böse ist definiert nicht der der es tut, sondern das Umfeld - sprich ebenfalls die Bevölkerung und die Judikative eines Landes. Somit verlagert sich diese Behauptung in den Bereich der Ethik und Moral. Das es bei solchen Diskussionen selten ein Konsens entsteht hat sich in den letzten 4000 Jahren schon oft genug bewiesen. 

Fakt ist aber: Googles Dogma ist sein großer Fluch zugleich! Denn das Eis auf dem der Glaspalast steht ist mehr als dünn - und die Gunst der Konsumenten hängt nur von einem ab - Vertrauen! Wenn Google dieses missbraucht, entzieht sich Google selbst die Geschäftsgrundlage. 

Sehr geehrter Herr Marinovic, bitte beschäftigten Sie sich intensiver mit der Thematik, über die Sie schreiben und stürzen Sie bitte bitte nicht einen unwesentlichen Teil der geistigen Elite Deutschlands in ein weiteres Dilemma des Populismus, welches zur Folge hat, dass die deutschen Websites weiterhin so schlecht sind, wie sie eben sind. Sondern lassen Sie uns allen als Konsumenten die Chance vernünftige Angebote zu bekommen und als Kunden im Internet genauso gut bedient zu werden, wie wir es im Geschäft auch erwarten würden.

Liebes brandeins Team - da das Jahr sich dem Ende neigt - habt vielen vielen Dank für die wundervollen, inspirierenden Artikel in diesem und den letzten Jahren. Ihr habt 5% Bekanntheit erreicht -und jedes % mehr, macht dieses Land ein Stück besser! Aber bitte ladet euch bei solchen Themen Leute ein, die Ahnung davon haben! 


Viele Grüße 

Sascha Mai 

0 Comments

Quo Vadis Verlagbranche

Es ist schon erstaunlich, wie es ganze Industrien fertig bringen, die Augen vor einer neuen Zeit zu verschließen, möchte manch einer denken, wenn er sich die aktuellen Entwicklungen in der Verlagsbranche ansieht.
Erst war es die Musikindustrie, die im Internet und seinen Usern einen Schuldigen für die sinkenden Umsätze und die Erdrutsch-Einbrüche im CD Absatz gefunden hatte. Jetzt zieht die Verlagsbranche nach und hat in Google den omnipotenten Sündenbock für die stagnierenden Umsätze gefunden. Die scheinbare Kostenlos-Kultur des Internets steht den Interessen der Verlagshäuser entgegen.

Warum eigentlich?

In den vergangenen 160 Jahren seit der Entwicklung der ersten Print-Anzeige hat sich eine durch und durch standardisierte Welt der Medieninsertion entwickelt. Diese basiert auf einigen wenigen aber durchaus funktionierenden Parametern, wie z.B. Anzahl der Leser ( Reichweite) Größe des Motivs und dessen Platzierung, Qualität des Werbeumfeldes und der Zielgruppen-Affinität für den werblichen Inhalt.
Auf Grund einiger gesetzlicher Rahmenbestimmungen in Deutschland, war gute Werbefläche besonders bevor das Internet sich zu einem Massenmedium entwickelt hat, durchaus ein teures, das von Agenturen an deren Kunden weitervermittelt wurde und davon lebte, dass die Kunden an den Gegenwert in Form von Käufern glaubten.



Nun kommt aber ein neues Medium ins Spiel, ein Medium bei dem sich die Menge an Werbefläche durch die tatsächliche Anzahl an Lesern/ Usern ergibt. Es lässt sich also nicht mehr mit festen Auflagenzahlen und wohl-geschätzten Verbreitungsgraden über Lesezirkel und ähnlich Instrumente arbeiten, sondern es muss sozusagen stündlich neu um die Gunst des Lesers geworben werden. Inhaltliche Aktualität und noch schlimmer der individuelle Wunsch nach Information des Lesers werden zu Messgrößen, mit denen sich die Verlagswelt sehr schwer tut.
Wurde früher eine Zeitschrift gekauft, dann war es völlig egal, ob der Leser wirklich das gesamte Magazin durchblätterte und auch las oder nicht, denn es zählte der Verbreitungsgrad des Titels, nicht des Artikels. Redaktionelle Qualität bekommt so einen ganz anderen Anspruch, denn der Leser von heute, ganz besonders diejenigen die Ihre Informationen aus dem Internet beziehen, tun das in einer individualisierten Weise, die dem Anspruch eines Print-Produktes nicht mehr gerecht wird.

So implodiert eine ganze Branche an einer simplen Fehlinterpretation der eigenen Stärken und der eigenen Zielgruppen.



Dabei wäre es so einfach, würden die Verlage sich auf das stützen, was sie originär waren.
In der „guten Alten Zeit“ waren die Verlage Access Provider für Informationen jeglicher Art. Niemand war so schnell darin Informationen zu verbreiten und damit waren die Tageszeitungen und Magazine ein wichtiger Teil des Consumer Life Managements. Doch grade wurde besonders an einer wesentlichen Stelle gespart. Den Redaktionen - diese wurden nach und nach durch generischen Inhalt von Presse- und Nachrichten Agenturen ersetzt. Somit wurde der Inhalt, der einzelnen Titel immer Austauschbarer und schlimmer noch, auch sehr leicht über andere Kanäle erreichbar.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Konsumenten von heute, bedingt durch die technischen Möglichkeiten des Webs, schneller miteinander kommunizieren können als je zuvor und dafür private Netzwerke nutzen.
Somit haben sich die Networks wie Facebook und Twitter in die Rolle des Access-Providers geschoben. Google geht an dieser Stelle noch einen Schritt weiter und aggregiert Inhalte, vernetzt, ranked und verlinkt diese. Damit steigert Google die eigene Relevanz für den User und schafft auch für sich eine wichtige Position im Consumer Life Management.
Google hat aber vor allem eines Geschaffen - Ein System - welches darauf beruht, sich der Gunst des Users zu 100% zu unterwerfen und sich für jede Art von Veränderung zu öffnen. Viel mehr sogar seine User in den eigenen Entwicklungsprozess mit einzubeziehen. So entsteht aus einer Produkt-Denke eine System-Denke, mit dem Effekt dass dieses System sich praktisch von selbst optimiert.

Der Lösungsansatz:

Als Verlag hat man heute eigentlich nur eine Chance, nämlich aus der Produkt-Denke heraus in eine System-Denke zu kommen. Ein Titel als Produkt ist nicht mehr Zeitgemäß. Der Titel muss zu einem System werden, dass sich den Wünschen der Leser stellt und das damit einen wesentlichen Teil im Lebensmanagement seiner Leser einnimmt. Das Vermarktungsmodell muss sich verändern, Die reine Platzierung von Werbeflächen, wird den schwindenden Umsatz aus dem Print-Geschäft nicht kompensieren können, weil das Geschäftsmodell Out-Dated ist. Vielmehr müssen die Verlage an einen Punkt kommen dass Sie zu Plattform für Gedanken-Austausch werden und sich vom Sprachrohr für Politik und Wirtschaft zum Zugangsprovider für Stimmungen machen und damit nicht nur Konsumentenmeinungen bilden, sondern diese auch zurückspielbar machen. Weiterhin sollten die Anwendungen einer solchen Plattform den Lesern/Menschen das Leben mit den richtigen Informationen erleichtern und nicht durch künstliche Nutzungsbarrieren wie z.B. sinnlose Bildgalerien erschweren. Zu guter Letzt, liegt die Stärke eines Magazins und auch einer Tageszeitung vor Allem im Inhalt. Diese demonstrieren Magazine wie z.B. BrandEins mehr als deutlich. Gute Rcherche und gute Artikel, steigern die Relevanz, Vernetzung nach draussen ( aber auch nach Innen) steigert die Glaubwürdigkeit

Also liebe Verlage - beschwert euch nicht bei Google, über schwindendes Geschäft, sondern werdet vom Produktanbieter zum Informationsnetzwerk-Initialisiator und verbindet eure Kunden sowohl die Werbetreibenden, als auch die Leser.


0 Comments