Quo Vadis Verlagbranche

Es ist schon erstaunlich, wie es ganze Industrien fertig bringen, die Augen vor einer neuen Zeit zu verschließen, möchte manch einer denken, wenn er sich die aktuellen Entwicklungen in der Verlagsbranche ansieht.
Erst war es die Musikindustrie, die im Internet und seinen Usern einen Schuldigen für die sinkenden Umsätze und die Erdrutsch-Einbrüche im CD Absatz gefunden hatte. Jetzt zieht die Verlagsbranche nach und hat in Google den omnipotenten Sündenbock für die stagnierenden Umsätze gefunden. Die scheinbare Kostenlos-Kultur des Internets steht den Interessen der Verlagshäuser entgegen.

Warum eigentlich?

In den vergangenen 160 Jahren seit der Entwicklung der ersten Print-Anzeige hat sich eine durch und durch standardisierte Welt der Medieninsertion entwickelt. Diese basiert auf einigen wenigen aber durchaus funktionierenden Parametern, wie z.B. Anzahl der Leser ( Reichweite) Größe des Motivs und dessen Platzierung, Qualität des Werbeumfeldes und der Zielgruppen-Affinität für den werblichen Inhalt.
Auf Grund einiger gesetzlicher Rahmenbestimmungen in Deutschland, war gute Werbefläche besonders bevor das Internet sich zu einem Massenmedium entwickelt hat, durchaus ein teures, das von Agenturen an deren Kunden weitervermittelt wurde und davon lebte, dass die Kunden an den Gegenwert in Form von Käufern glaubten.



Nun kommt aber ein neues Medium ins Spiel, ein Medium bei dem sich die Menge an Werbefläche durch die tatsächliche Anzahl an Lesern/ Usern ergibt. Es lässt sich also nicht mehr mit festen Auflagenzahlen und wohl-geschätzten Verbreitungsgraden über Lesezirkel und ähnlich Instrumente arbeiten, sondern es muss sozusagen stündlich neu um die Gunst des Lesers geworben werden. Inhaltliche Aktualität und noch schlimmer der individuelle Wunsch nach Information des Lesers werden zu Messgrößen, mit denen sich die Verlagswelt sehr schwer tut.
Wurde früher eine Zeitschrift gekauft, dann war es völlig egal, ob der Leser wirklich das gesamte Magazin durchblätterte und auch las oder nicht, denn es zählte der Verbreitungsgrad des Titels, nicht des Artikels. Redaktionelle Qualität bekommt so einen ganz anderen Anspruch, denn der Leser von heute, ganz besonders diejenigen die Ihre Informationen aus dem Internet beziehen, tun das in einer individualisierten Weise, die dem Anspruch eines Print-Produktes nicht mehr gerecht wird.

So implodiert eine ganze Branche an einer simplen Fehlinterpretation der eigenen Stärken und der eigenen Zielgruppen.



Dabei wäre es so einfach, würden die Verlage sich auf das stützen, was sie originär waren.
In der „guten Alten Zeit“ waren die Verlage Access Provider für Informationen jeglicher Art. Niemand war so schnell darin Informationen zu verbreiten und damit waren die Tageszeitungen und Magazine ein wichtiger Teil des Consumer Life Managements. Doch grade wurde besonders an einer wesentlichen Stelle gespart. Den Redaktionen - diese wurden nach und nach durch generischen Inhalt von Presse- und Nachrichten Agenturen ersetzt. Somit wurde der Inhalt, der einzelnen Titel immer Austauschbarer und schlimmer noch, auch sehr leicht über andere Kanäle erreichbar.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Konsumenten von heute, bedingt durch die technischen Möglichkeiten des Webs, schneller miteinander kommunizieren können als je zuvor und dafür private Netzwerke nutzen.
Somit haben sich die Networks wie Facebook und Twitter in die Rolle des Access-Providers geschoben. Google geht an dieser Stelle noch einen Schritt weiter und aggregiert Inhalte, vernetzt, ranked und verlinkt diese. Damit steigert Google die eigene Relevanz für den User und schafft auch für sich eine wichtige Position im Consumer Life Management.
Google hat aber vor allem eines Geschaffen - Ein System - welches darauf beruht, sich der Gunst des Users zu 100% zu unterwerfen und sich für jede Art von Veränderung zu öffnen. Viel mehr sogar seine User in den eigenen Entwicklungsprozess mit einzubeziehen. So entsteht aus einer Produkt-Denke eine System-Denke, mit dem Effekt dass dieses System sich praktisch von selbst optimiert.

Der Lösungsansatz:

Als Verlag hat man heute eigentlich nur eine Chance, nämlich aus der Produkt-Denke heraus in eine System-Denke zu kommen. Ein Titel als Produkt ist nicht mehr Zeitgemäß. Der Titel muss zu einem System werden, dass sich den Wünschen der Leser stellt und das damit einen wesentlichen Teil im Lebensmanagement seiner Leser einnimmt. Das Vermarktungsmodell muss sich verändern, Die reine Platzierung von Werbeflächen, wird den schwindenden Umsatz aus dem Print-Geschäft nicht kompensieren können, weil das Geschäftsmodell Out-Dated ist. Vielmehr müssen die Verlage an einen Punkt kommen dass Sie zu Plattform für Gedanken-Austausch werden und sich vom Sprachrohr für Politik und Wirtschaft zum Zugangsprovider für Stimmungen machen und damit nicht nur Konsumentenmeinungen bilden, sondern diese auch zurückspielbar machen. Weiterhin sollten die Anwendungen einer solchen Plattform den Lesern/Menschen das Leben mit den richtigen Informationen erleichtern und nicht durch künstliche Nutzungsbarrieren wie z.B. sinnlose Bildgalerien erschweren. Zu guter Letzt, liegt die Stärke eines Magazins und auch einer Tageszeitung vor Allem im Inhalt. Diese demonstrieren Magazine wie z.B. BrandEins mehr als deutlich. Gute Rcherche und gute Artikel, steigern die Relevanz, Vernetzung nach draussen ( aber auch nach Innen) steigert die Glaubwürdigkeit

Also liebe Verlage - beschwert euch nicht bei Google, über schwindendes Geschäft, sondern werdet vom Produktanbieter zum Informationsnetzwerk-Initialisiator und verbindet eure Kunden sowohl die Werbetreibenden, als auch die Leser.


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